Hartmut Mehdorn

Flughafenchef Mehdorn zu Gast am Ulrich-von-Hutten-Gymnasium

Über Flugrouten, Lärmschutz sowie Moral und Glaubwürdigkeit im Wirtschaftsmanagment diskutieren rund 120 Schülerinnen und Schüler mit Hartmut Mehdorn am 13.11.2013 in der Aula der UvH. Organisiert und moderiert von Schülerinnen und Schülern der Sozial- und Politikwissenschaftskurse nimmt sich der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH rund eine Stunde Zeit, um sich den kritischen Fragen der Schülerinnen und Schüler zu stellen.

Zunächst wird Mehdorn mit dem Projekt "Green Mobility Rent", einer Schülerfirma der UvH, konfrontiert. Im Rahmen des Projektes "Junior Tech" zum Thema "Energiewende" entwickelte der Leistungskurs Politikwissenschaft einen Businessplan und ein Firmenvideo, das die Idee einer "elektronischen und ökologischen Autovermietung am Flughafen BER" vorsieht. Kurz und knapp beurteilt Mehdorn die Geschäftsidee als gut, da er hier eine zukünftige Selbstverständlichkeit sieht. In Zukunft werde die Elektromobilität der Regelfall sein, ob aber der Markt schon heute für Elektrofahrzeuge reif sei, lässt Mehdorn bewusst offen.

Mobilität macht Lärm

Hitziger wird die Debatte im zweiten Teil der Veranstaltung. Die kritischen Fragen der Schülerinnen und Schüler zu den Problemen des noch immer nicht eröffneten Hauptstadtflughafens kontert Hartmut Mehdorn in gewohnter Manier. Zwar räumt er Planungsfehler im Bereich des Brandschutzes ein und erläutert ausführlich die Schwierigkeiten bei der Behebung der baulichen Mängel, doch zeigt er sich in Fragen des Lärmschutzes unnachgiebig. "Mobilität macht Lärm", so das Credo des Flughafenchefs. Unser Alltag, aber auch unser wirtschaftlicher Erfolg sei von der Mobilität abhängig. Egal ob Straßen- oder Schienenverkehr, alle Verkehrsmittel seien für den einzelnen von enormer Bedeutung und für den Transport von Wirtschaftsgütern unerlässlich. Der Flughafen BER habe außerdem mehr für den Lärmschutz getan als alle anderen Flughäfen in Europa. "Wir machen Lärmschutz", meint Mehdorn und nennt als Beleg die Ausgaben für Schallschutzmaßnahmen und den Ankauf von Privatgrundstücken in Einflugschneisen durch die Flughafen GmbH.

Auch zum Nachtflugverbot äußert sich der Flughafenchef: "Ein Hauptstadtflughafen muss 24 Stunden geöffnet sein." Das jüngste Gerichtsurteil, das Blankenfelde/Mahlow zumindest in den Randstunden entlastet und für Lichtenrade in den Zeiträumen von 22 bis 0 Uhr sowie von 5 bis 6 Uhr eine Verschlechterung bedeuten könnte, findet Mehdorn gerecht. Auch von den juristischen Auseinandersetzungen zeigt er sich unbeeindruckt. Insgesamt geht Mehdorn davon aus, dass weniger Menschen vom Lärm betroffen seien als dies in der Öffentlichkeit verbreitet würde. Man müsse nicht alles glauben, was in der Zeitung stehe, "wenn der Flughafen auf ist, wird es wieder sachlich werden." Es würden sich auch Menschen zu Wort melden, die sich vom Lärm betroffen fühlen, nur weil sie ein Flugzeug am Himmel sehen.  Direkt an die Schüler gerichtet appelliert er schließlich: "Lassen Sie sich nicht aufhetzen!"

"Später werden wir stolz auf unseren Flughafen sein"

Beim Thema "Kostenexplosion" bleibt Hartmut Mehdorn jedoch weniger konkret. Deutlich wird, dass man mit einem nicht eröffneten Flughafen auch kein Geld verdienen kann. Deshalb "wird der Flughafen teurer als gedacht." Insbesondere die mühsame Beseitigung der Planungsfehler (bei der Erneuerung der Brandschutztechnik greife das chinesische Prinzip nicht) verzögere einen schnelleren Eröffnungstermin. Das sei schon "nervig", aber "hinterher ist man immer schlauer." Das oberste Ziel sei dennoch die schnelle Eröffnung des BER. Wenn er dann in Betrieb sei, würden wir auch stolz auf unseren Flughafen sein. Die Frage nach dem Scheitern des Flughafenprojektes oder der Suche nach einem alternativen Standort lässt er gar nicht erst zu: "Ich bin der Flughafenchef. Was erwarten Sie von mir?"

Gefragt nach dem negativen Image des Flughafens hebt Mehdorn die positiven Aspekte hervor: Insgesamt würden 24.000 neue Arbeitsplätze im Umfeld des Flughafens entstehen. Im Umkreis von 30 Kilometern profitiere auch die Wirtschaft nachhaltig, wie Studien und Erfahrungen aus dem Umfeld des Flughafens in München zeigten.

Manager haben ein hohes Maß an sozialer Verantwortung

"Geld ist es nicht!", so Mehdorn auf die Frage, warum er den Posten beim Flughafen angenommen habe. Es ist wohl eher die Macht der Gewohnheit, die den 71-jährigen antreibt. Er habe immer viel gearbeitet und Verantwortung übernommen. Man habe es ihm zugetraut, das Projekt zu meistern, und außerdem habe er Erfahrungen mit schwierigen Situationen mit komplexer Technik. 

Die öffentliche Kritik an seiner Person lässt Mehdorn abprallen. "Ich lese keine Zeitung, nichts ist älter als die Zeitung von gestern." Für seine Kolleginnen und Kollegen mit Führungsaufgaben in großen Unternehmen stellt Mehdorn ein gutes Zeugnis aus. Manager hätten ein hohes Maß an sozialer Verantwortung und würden diese auch wahrnehmen. "Manager denken nicht schlecht" und würden die Verantwortung für ihr Unternehmen, aber auch für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wahrnehmen.

Spannungsgeladen ist der Teil der Diskussion, bei dem es um die Folgen des verspäteten Eröffnungstermins geht. Angesprochen auf die Schwierigkeiten von Einzelhändlern am BER, die ihr Geschäft noch nicht eröffnen konnten, zeigt Mehdorn wenig Verständnis. Diese Einzelhändler müssten ihr eigenes unternehmerisches Risiko tragen. Der Flughafen habe ja nicht absichtlich die Eröffnung verschoben. Die 116 Geschäfte am Flughaben hätten zwar einen Vertrag, dieser würde jedoch erst mit Eröffnung des Flughafens gültig. "Wir können rechtlich keine Schäden übernehmen, wenn wir es nicht müssen." Kein Mietvertrag werde gekündigt und die Geschäfte würden dann noch genug Geld verdienen. Am Beispiel "Gucci" versucht er zu verdeutlichen, dass es in Regel auch nicht die kleinen Einzelhändler treffen würde, die Schüler müssten sich also keine Sorgen machen.

Launige Diskussion mit Höhen und Tiefen

Insgesamt erleben alle Beteiligten eine spannende Diskussion mit Höhen und Tiefen. Nicht immer sind die Schülerinnen und Schüler der Argumentationsgeschwindigkeit Mehdorns gewachsen. Auch Mehdorn selbst hat Schwierigkeiten, sich auf sein Publikum einzustellen. Kurze Antworten, wenig Erklärungen und kaum Selbstkritik verunsichern die Schülerinnen und Schüler. Dennoch hat die Schule ihr Ziel erreicht, Schülerinnen und Schüler näher an Entscheidungsträger heranzuführen. Sie argumentieren engagiert für ihren Orststeil und sind schließlich nur schwer zu überzeugen. Hartmut Mehdorn liefert eine neue Perspektive für die Beurteilung des Großprojektes BER. Erst dieses ausgewogene Bild ermöglicht den Schülerinnen und Schüler ein eigenständiges Urteil.

Die UvH bedankt sich bei Hartmut Mehdorn dafür, dass er sich die Zeit für eine höchstspannende Diskussion genommen hat.

 

Einen Artikel von Thomas Moser zum Mehdorn Besuch finden Sie hier und im Lichtenrader Magazin 12/2013 und in der online-Ausgabe der Berliner Morgenpost. Herzlichen Dank für die Berichterstattung und die sehr gelungen Fotos.

Den Imagefilm der Schülerfirma "Green Mobilty Rent" sehen Sie hier.


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