Walter Momper

"Freiheit muss jeden Tag neu verteidigt werden!"

In einer vollbesetzten Aula diskutierte der ehemalige Regierende Bürgermeister Walter Momper am 02.12.2014 mit unseren Schülerinnen und Schülern zum Fall der Mauer im Jahr 1989.

Anlässlich des Jubiläums "25 Jahre Mauerfall" konnte das Ulrich-von-Hutten-Gymnasium zum Abschluss des Jahres 2014 einen prominenten Zeitzeugen für die Gesprächsserie "UvH redet mit! ..." gewinnen. Walter Momper war in seiner Funktion als Regierender Bürgermeister (1989 bis 1991)  einer der entscheidenden Akteure um den 9. November 1989 und für die Schülerinnen und Schüler eine außergewöhnliche Quelle, um die Ereignisse der Wendezeit und des Mauerfalls einzuordnen und diese beurteilen zu können.

Befragt durch die Schülerin Maya Götz sowie die Schüler Joran Klauß (Georg-Büchner-Gymnasium) und Mert Karaterzi fasste Momper zunächst die entscheidenden Etappen des Jahres 1989 zusammen, um dann auf die Chronologie des 9. Novembers 1989 einzugehen. Momper schilderte dabei eindrücklich den Spagat zwischen einerseits der Sorge, dass es in der Nacht zum 10. November zum Gewaltausbruch hätte kommen können und andererseits dem spontanen Entschluss, dass man "der Führung der DDR den Rückweg abschneiden" wollte. Deutlich wurde, dass Momper in der Pressekonferenz zum Zentralrat der SED und insbesondere in den Ausführungen Schabowskis keine Absicht sah, die Grenzen bereits am späten Abend des 9. Novembers zu öffnen. "Wir waren für Anfang Dezember auf eine Öffnung der Grenze vorbereitet. Dass die die Mauer schon am 10. November öffnen wollten, hat uns alle überrascht.", so Momper. Am Abend des 9. Novembers hätte die Grenze sowieso nicht mehr geöffnet werden können, da die DDR-Bürger ja auch nach der neuen Reiseregelung ein Visum benötigt hätten. Dass der Abend und die Nacht dann einen anderen und trotzdem friedlichen Verlauf nahmen, lässt sich rückschauend auf einen besonderen Tag der deutschen Geschichte feststellen.

Detailreich berichtete Walter Momper über die Vorbereitungen auf den Mauerfall. Bei einem Treffen im Palasthotel in "Ost-Berlin" sei man durch Günter Schabowski bereits Ende Oktober 89 über die bevorstehende Reiseregelung informiert worden, die ursprünglich Anfang Dezember 89 hätte in Kraft treten sollen. Er habe den Eindruck gehabt, dass die DDR-Führung zwar die Grenze zu West-Berlin öffnen wollte, aber es noch keine Überlegungen dazu gab, wie man dieses umsetzen könnte. Auch deshalb habe er prompt reagieren müssen: "Wir haben sofort eine Urlaubssperre verhängt und alle entsprechenden Senatsverwaltungen angewiesen, Vorkehrungen zu treffen."

Bei der Bewertung des Mauerfalls aus heutiger Perspektive stellten die Schülerinnen und Schüler Fragen zum Konflikt in der Ost-Ukraine sowie zur Flüchtlingspolitik der EU. Eine Wiederkehr des Ost-West-Konfliktes oder den Aufbau einer neuen Mauer an der EU-Außengrenze, die die Welt teilen könnte, sieht Momper nicht, da diese Entwicklungen nicht mit den historischen Ereignissen vergleichbar seien. 

Auf die Frage, welche Lehren Schülerinnen und Schüler 25 Jahre nach dem Mauerfall daraus ziehen könnten, hielt Walter Momper abschließend ein Plädoyer für die Freiheit, die jeden Tag neu verteidigt werden müsse.

Das Ulrich-von-Hutten-Gymnasium bedankt sich bei Walter Momper für den Besuch an unserem Gymnasium und für ein sehr informatives Gespräch.

 

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