Chronik 1990 -2008

Walhalla, Ruhmeshalle, Museum, Archiv oder so ähnlich…

 

1990

Angefangen hatte alles damit, dass eine Gruppe Schüler im Profilkurs Biologie Chlorophyll aus Blättern extrahierte (ein Standardversuch). Damals war das Waldsterben in der Öffentlichkeit ein heißes Diskussionsthema. Eine quantitative Untersuchung des Chlorophyllgehaltes verschiedener Nadeljahrgänge bei verschieden stark geschädigten Bäumen beschäftigte Carsten Brock, Stefan Fiedler und Susanne Kossatz viele Nachmittage lang. Sich mit den Ergebnissen unter der Überschrift: Photometrische Bestimmung des Chlorophyllgehaltes kranker und gesunder serbischer Fichten am Wettbewerb zu beteiligen, erschien etwas verwegen, aber als man gleich auf Anhieb 1990 einen dritten Platz beim Landeswettbewerb Biologie erreichte, war die Freude natürlich groß.

1991

Kurz nach der Wende, als wir Westberliner die uns bis dahin verschlossenen Landstriche südlich unseres Wohnortes Lichtenrade zu erkunden begannen, erschien eines Tages ein Schüler mit einem Marmeladenglas im Chemieunterricht, das mit einer grünen Brühe gefüllt war: ob wir das mal untersuchen könnten? Die grüne Brühe stammte aus dem Rangsdorfer See, der damals aus gesundheitlichen Grünen für den Badebetrieb gesperrt war. Den ersten Wassermessungen folgte eine Untersuchung der Seesedimente und in Zusammenarbeit mit Wasserwirtschaftsämtern, Betrieben, Forschungseinrichtungen und der Kommune Rangsdorf erarbeiten Schüler der UvH eigene Vorschläge zur Sanierung des Sees. Unsere Konzepte waren langfristig angelegt und setzten auf eine nachhaltige Beeinflussung der Seeökologie. Die politischen Entscheidungsträger bevorzugten ein kurzfristiges, technisch schnell realisierbares Konzept, aber beim Umweltbundeswettbewerb sowie bei Jugend forscht erhielten wir viel Anerkennung für unsere Untersuchungen und Vorschläge: Der Rangsdorfer See - eine Bestandsaufnahme sowie Möglichkeiten zur Seesanierung  (Björn Behrens, Florian Jarosch und Dirk Wegener, Sonderpreis beim Umweltbundeswettbewerb, 3. Landessieger Chemie Jufo 91, 2. Landessieger Geologie Jufo 1991, Umweltsonderpreis)

1994

 Auf einer Biologie Leistungskursexkursion zum Wattenmeer wurden autökologische / physiologische Untersuchungen an Wattwürmern durchgeführt. Katrin Merten blieb dabei und baute das ganze zu einer umfangreichen Messserie aus. Mit ihrer Arbeit O2-Verbrauch von Arenicola marina im natürlichen Meeresbiotop - gemessen im Kunstbau wurde sie 1994 1. Landessieger im Biologiewettbewerb.

1996/97

 Als ein paar Schüler der achten Klasse eines Tages eine selbst produzierte Zeitung mit dem Titel „Ökoschnecke“ unter ihren Mitschülern verkauften und für den Jugendclub „Aktiver Tierschutz“ warben, wurden sie insgeheim belächelt. Nur wenige Jahre später leiteten dieselben Schüler einen mitgliederstarken, überregional bekannten Verein mit dem Namen „Aktiver Naturschutz“, der staatliche Zuschüsse erhielt, Resozialisierungsmaßnahmen für Strafgefangene betreute und vor allem diverse Natur- und Landschaftsschutzprojekte in der Region organisierte und betreute, so z.B. die Renaturierung des durch die Staatsorgane der DDR angelegten Grenzstreifens. Nicht direkt auf dem Grenzstreifen, aber nicht weit davon entfernt lag die Lüttge-See-Senke, ein kleines Feuchtgebiet, in das jahrelang Abwässer eingeleitet worden waren. Waren hier Sanierungsmaßnahmen erforderliche und wenn ja, welche? Die Arbeiten Soll so ein Soll sein? (Andreas Gerber und Stephanie Schlabbach, Umweltsonderpreis Jufo 1996, Sonderpreis Hörlein Wettbewerb des Verbandes deutscher Biologen) und Geologische und ökologische Untersuchungen im Landschaftsschutzgebiet Diedersdorfer Heide  (Stephanie Schlabbach, 2. Landessieger Geologie Jufo 1997) gingen dieser Frage nach.

 Beim Kristallzüchten im Grundkurs Chemie bemerkten wir eine Art Pilzwachstum in der gesättigten Alaunlösung. Zwei Schüler gingen der Sache nach und steigen so in die Mikrobiologie ein. Zwei Wettbewerbsarbeiten waren das Ergebnis: Bakterien fressen Pilze? (Sebastian Kretzer und Sandra Pistor, 3. Landessieger Chemie Jufo 1996) und Mikrobielle Infektionen in Alaunlösungen (Sonderpreise Biologie Jufo 1997).

1998

 Gerald Friedland konnte noch nicht lesen und schreiben, als er sich als kleiner Junge zum ersten Mal an einen C 64 Computer setzte und fasziniert von dem Gerät Schritt für Schritt entdeckte, was dieses Ding machte, wenn man bestimmte Tastenkombinationen drückte. Als er dann lesen und schreiben gelernt hatte, konnte er auch schon programmieren. So war es dann viele Jahre später auch kein unlösbares Problem für ihn, eines der ersten Programme zu entwickeln, mit deren Hilfe man Radiosendungen Live über das Internet übertragen konnte. World Wide Radio – Audio Live-Übertragung durch das Internet gewann 1998 bei Jugend forscht den Landessieg = 1. Platz in Mathematik und Informatik.

 Ein Schüler brachte 1995 eine Flasche mit hausgemachtem Apfelsaft mit, der ein merkwürdiges Gebilde enthielt: Wie ein 30 – 40 cm langes Stück Darm hing ein weißliches Gebilde vom Flaschenhals hinunter. Die Flasche war nicht geöffnet worden, offensichtlich war das Ding von alleine darin entstanden. Es erwies sich als eine komplexe mikrobielle Lebensgemeinschaft verschiedener Hefe- und Bakterienarten – ein Apfelpilz. Leider wurden die umfangreichen Untersuchungen dazu nie veröffentlicht.Anfangs hatte auch Katrin Eick den Apfelpilz mit untersucht, wandte sich dann aber einem ebenso spannenden eigenen verwandten Objekt zu, dem Teepilz. Ihre Arbeit mit dem Titel Kombucha Ein 2000 Jahre altes Naturheilmittel wurde 1998 mit einem 2. Platz im Landeswettbewerb belohnt.

 1998 nahm auch Gerald Hartwig zum ersten Mal am Wettbewerb teil. Aus Altpapier, Wasserstoffperoxid, Kartoffelstärke hatte er ein patentiertes Verfahren zur Entwicklung einer neuartigen Katzenstreu ausgetüftelt und das Produkt auch schon an seiner eigenen Katze erfolgreich getestet. Die für den Wettbewerb „Schüler experimentieren“ abgegebene Arbeit wurde hochgestuft und erhielt den 2. Preis im Landeswettbewerb Jugend forscht in Chemie.

1999

 Im nächsten Jahr (1999) war Gerald gleich mit drei Arbeiten dabei, alle drei beschäftigten sich mit Katalysatoren. Und alle drei erhielten im Regionalwettbewerb eine Prämierung. Im Landeswettbewerb erzielten gleich zwei einen ersten Platz: Qxikat Reaktor zur Beseitigung von Ozon aus Fotokopierern, Elektro- und Klimaanlagen in der Sparte Arbeitswelt. und Anthraclean - Hochleistungsreaktor zur Reinigung von Industrieabwässern“ im Fach Chemie. Diese Arbeit erhielt anschließend sogar den 5. Platz auf Bundesebene. Seine dritte Arbeit zu einem platinfreien Abgaskatalysator (Roxikat- ein neuer Abgaskatalysator) erhielt ebenfalls eine Auszeichnung aber keinen Landessieg, denn den hatte Gerald ja schon selbst mit seiner anderen Arbeit errungen.

 Eine Stunde Chemie pro Woche war ihnen nicht genug, und so kamen einige Schüler der achten Klasse auch noch nachmittags zum Experimentieren in die Schule. Wie man auf verschiedene Weise Blitze unter Wasser erzeugt, bekamen Richard Kummert, Christian Post und Martin Steiner heraus und erhielten dafür 1999 einen Sonderpreis beim Wettbewerb Schüler experimentieren.

 1999 war sowieso ein besonders erfolgreiches Jahr für unsere Schule: Lorenz Kummert und Adel Hassanein erhielten den 1. Preis im Landeswettbewerb Biologie mit ihrer Untersuchung des Reispilz ein Pilz zum Trinken. Auch hier war es wieder eine Untersuchung einer Lebensgemeinschaft von Hefen und Bakterien, durch die ein Heil- und Erfrischungsgetränk aus Rosinen und Zuckerwasser hergestellt wird. Dieses mikrobiologische Verfahren hat in asiatischen Ländern eine lange Tradition, der untersuchte Reispilz war auf verschlungenen Wegen direkt aus dem Ural nach Lichtenrade gelangt, mit einer russischen Kulturanleitung. Die Übersetzung dieser Anleitung war aber das geringste Problem.

2001

 Sami Hassanein und Janus Lenzen (damals Klasse 8/2) haben ihn erfunden: Den Universaltintenkiller. Entfernt sämtliche getestete Filzstiftfarben. Und es wurden s e h r viele getestet. Das Papier kann man hinterher sogar weiter beschreiben. Das Verfahren beruht auf dem altbekannten Prinzip der Chlorbleiche. Das Problem: Wie bindet/vernichtet man die dabei entstehende Salzsäure und das giftige Chlor? Die Lösung: Mit Speziallöschpapier! Saugt die Feuchtigkeit auf, neutralisiert absolut schonend und umweltfreundlich die Säure und wandelt das aggressive Chlor, wenn es seine Funktion der Farbbleiche erfüllt hat, in harmloses Kochsalz um. Das war den Juroren eine Hochstufung in den Hauptwettbewerb (die beiden waren dafür eigentlich zu jung) und einen Sonderpreis wert.

2005

 Johannes Kohlmann und Yosri Hassanein entwickelten einen Rauchfilter gegen den blauen Dunst in Räumen. Das brachte ihnen den 3. Platz im Landeswettbewerb Jufo 2005 ein.

 Wunderkerzen herzustellen ist nicht schwer, aber wie machen das andere Länder und können sie auch farbig sein? Mike Wyroslawski und Dominik Schiller analysierten Wunderkerzen verschiedener Herkunft und stellten anschließend aufgrund ihrer Erfahrungen ein sehr brisantes und attraktives eigenes Produkt her. Ihre Arbeit –aufgrund ihres Alters bei “Schüler experimentieren” eingereicht - wurde ebenfalls aufgrund der Qualität für den Wettbewerb „Jugend forscht“ hochgestuft und erhielt den 2. Platz Chemie im Landeswettbewerb Jufo 2005.

2006

 Im nächsten Jahr wollten Mike Wyroslawski und Dominik Schiller genauer wissen, wie Wärmebeutel funktionieren. Ihnen blieb kein Geheimnis des Herstellers der bisher unveröffentlichten Zusammensetzung des in der in der US-Army verwendeten hot meal packs verborgen. Zum zweiten Mal erhielten sie den 2. Platz in Chemie bei Jufo 2006.

 Enthält die zu Sylvester verwendete Bleigießmasse wirklich Blei und kann man sie durch andere Stoffe ersetzen? Darüber wusste Sebastian Czarnecki  anschließend genau Bescheid, die Belohnung war ein Sonderpreis im Landeswettbewerb Jufo 2006.

2008

Am erfolgreichsten im Landeswettbewerb Chemie war die UvH im Jahr 2008:

 3. Landessieger: Deos stoppen Schweiß und Geruch – zum Teil mit wirksamer, aber nicht unproblematischer Chemie. Aber auch nicht alles, wo „Bio“ oder „Öko“ draufsteht, ist gesund und zugleich in seiner Wirksamkeit qualitativ hochwertig. Man muss schon genau nachforschen und die verschiedenen Produkte testen. Tabea Zander und Yasmin Becker haben das getan und darüber hinaus ein Rezept für ein neues Bio-Deo entwickelt, das die bisherigen Prüf-Tests der beiden Schülerinnen recht gut bestanden hat.

 2. Landessieger: Was nimmt man da eigentlich in den Mund, wenn man sich mit Bleachingmitteln die Zähne aufhellt? Mit dieser Frage hat sich Alexander Lehmann beschäftigt und die verschiedenen Produkte einer gründlichen Analyse unterzogen, was die Entwicklung geeigneter Testverfahren notwendig machte. Eine knifflige Aufgabe, aber Alexander hat sich der Herausforderung gestellt und interessante Ergebnisse erhalten. Vielleicht gibt es demnächst ein Konzept für das ultimative, perfekte, neue Bleachingmittel?

 1. Landessieger: „Pflummi“ – etwas Neues zum Essen von Fabian Moritz und Moritz Winkler. Es handelt sich um eine neue Polymermischung aus rein pflanzlichen Naturpolymeren. Der Geschmack und die Konsistenz wurden durch geschickte Kombination mit viel Fachwissen über das chemische Verhalten der Polymeren, aber letztendlich vor allem durch viele Versuche so eingestellt, dass die traditionellen Gummibärchen möglicherweise bald vom Aussterben bedroht sein könnten, denn trotz guten Geschmacks sind in „Pflummi“ fast nur Ballaststoffe enthalten, Diabetiker und Übergewichtige können bedenkenlos zugreifen.