Trauerrede

... für Herrn Podlowski aus der Sicht seines Nachfolgers im Amt des Schulleiters, Herrn Thomas Hungs

Klaus und ich hatten eine Vision.

Wir haben beide Pläne geschmiedet für eine noch bessere und schönere UvH. Das Geld haben wir. Es ist ein großer Betrag.

Ich saß in den vergangenen Monaten an späten Nachmittagen immer wieder an seinen Krankenbetten in den Kliniken Neukölln und Steglitz, fast täglich war ich bei ihm und habe zu ihm gesagt: „Du musst kämpfen. Ich brauche Dich noch für unsere großen Umbauten in der Schule."

„Als Erstes musst Du die Fenster der Westseite erneuern. Die sind vollkommen verfault."

„Und das Dachgeschoss! Da bekommen wir zwei weitere Klassen unter, dann können wir immer fünf 7. Klassen aufnehmen. Wer weiß, wie es weitergeht mit der Schullandschaft in Lichtenrade. Die Schülerzahlen sinken dramatisch. Ob sich Lichtenrade weiter zwei Gymnasien und eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe leisten kann? Du musst bereit sein, fünf Klassen aufnehmen zu können." So seine Worte.

Die Baustellen waren seine Welt und so lernten wir uns kennen.

Vor etwa 30 Jahren trafen wir uns in Bad Kleinkirchheim in den großen Ferien in Österreich. Er erwähnte so nebenbei, dass er an einem Vereinsheim baut, vom Keller bis zum Schornstein, und ich stieg ein und blieb für viele Jahre einer seiner wichtigsten Baupartner.

Und so ganz nebenbei lernte ich beim Mauern einer Wand oder Setzen des Schornsteins etwas von seiner ungewöhnlichen Führungskompetenz kennen. Die lockeren, ehrlichen und doch sehr viel Halt gebenden Umgangsformen einer Baustelle haben in der Schule Wunder bewirkt: Natürlich, offen und direkt, nicht nachtragend, kurz und knapp, jeder verstand seine Botschaft und wir bekamen als Schule sehr viel Anerkennung von den Eltern und Schülern.

Einen willkürlichen, einengenden Rahmen, weil es die Schulverwaltung so wollte, kannten wir Kollegen nicht. Ständige Sitzungen von Gremien und Ausschüssen waren uns unbekannt.

„Seine Frage war auf Konferenzen: Kandidiert etwa jemand für diesen oder jenen Ausschuss...?" Einen Blick in die Runde geworfen... „Das ist nicht der Fall, also gibt es ihn nicht bei uns. So einfach war das. In anderen Kollegien haben sie sich aufgerieben und zerfleischt... in diesen Gremien.

„Ich gucke doch nicht hinter die Klassenraumtür, wenn alles gut läuft. Warum das denn? Warum soll ich denn die Kollegen kontrollieren und ihnen nachspionieren?"

„Aber, Thomas, Du hast es doch mit Menschen zu tun. Da kannst Du doch nicht das Schulgesetz anwenden. Hör´ Dir doch erst mal an, was er zu sagen hat. Und dann können wir immer noch sehen. Einen Ausweg im Sinne des Schülers am Gesetz vorbei finden wir immer."

Dieser Satz zeigt, was für ihn im Vordergrund seines dienstlichen Handelns stand: der Mensch.

Viele seiner Schüler, Eltern und Kollegen haben das zu schätzen gewusst; er war absolut verlässlich.

Und dann ging er an das größte Projekt seiner Laufbahn, die drohende Schulschließung abzuwenden durch eine Grundsanierung mit völliger Entkernung des Gebäudes. Hier hat er über ein Jahrzehnt Unglaubliches geleistet und mit ihm sein Stellvertreter, Herr Mantei.

Zwischendurch musste ein bereits fertiges Gebäudeteil wieder abgerissen werden wegen mangelnder Standfestigkeit.

Und dann war es fertig und Klaus ließ sich pensionieren. Schweren Herzens.

Er blieb aber immer an meiner Seite - für die meisten unsichtbar!

In den großen Ferien hat er bis zuletzt vier Wochen lang den Stundenplan weiterentwickelt, auch dann noch, als ihm im vergangenen Sommer mit vielen Komplikationen ein Herzschrittmacher eingesetzt wurde.

Bei dieser engen Zusammenarbeit hat man gespürt, wie wichtig ihm die Belange der Kollegen waren. An allererster Stelle stand bei der Konstruktion des Planes immer das Wohl des Kollegiums. Oft hat er tagelang daran herumgebastelt, damit jemand mit reduzierter Stelle auch einen freien Tag bekommen kann.

Seine vielen Aktivitäten zum Wohle der Schule in der Zeit als Pensionär kann ich kaum aufzählen. Haben Sie ihn bemerkt, als er beim Tag der offenen Tür, beim Weihnachtsbasar und anderen Veranstaltungen für den Förderverein geworben hat und für ein paar Euro Verkaufseinnahmen die ganzen Abende hier blieb?

So, Klaus, ich setze das jetzt ohne Dich, aber in Deinem Sinne fort! Und ich verspreche Dir, wir werden immer noch besser.

Thomas Hungs, Schulleiter